Vorverstärker Quad 33, Quad 303 im Test , Bild
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Serientest > > 28.03.2025

Da sind sie wieder

Die klassischen QUAD 33 und 303 Verstärker haben den vielleicht größten Erkennungswert aller HiFi-Geräte. Die neuen Modelle knüpfen genau da an. Aber haben sie auch deren klangliche Meriten?

Vor- und Endverstärker QUAD 33 / 303

In meiner Jugend habe ich mich vor allem für hohe Wattzahlen, VU-Meter und sonstige Protzabzeichen von vermeintlich besseren Geräten interessiert. Mit diesem Mindset las ich Ende der 1970er Jahre ein HiFi-Jahrbuch durch und stieß auf ein unscheinbares Objekt, ein hässliches, wie ich damals fand: eine QUAD 303 Endstufe. Ein längliches Ding mit Kühlrippen, ohne VU-Meter und mit lächerlichen 45 Watt. Nicht lächerlich war der Preis von fast 1000 DM – eine irre Summe damals. Für so etwas! Ich habe sicher mehrfach den Kopf geschüttelt und das Ding für einige Zeit vergessen. Aber so ganz weg war es nie. Später studierte ich unter anderem Kunstgeschichte und entwickelte einen Sinn für Design und Proportionen. Erst dann begriff ich die QUAD-Geräte aus dieser Reihe – 33 Vorstufe, 303 Endstufe und FM 3 Tuner – als Designikonen. Wie gut sie klingen, und das galt vor allem für die Endstufe, erkannte ich dann noch etwas später. Nun habe ich seit vielen Jahren immer eine 303 am Laufen, in Wirklichkeit sind es sogar zwei komplette Sets. Der klangliche Schwachpunkt war immer die Vorstufe, die aufgrund ihrer Technik tendenziell verhangen und undynamisch klang. Umso mehr bin ich auf die neue 33 gespannt.   

Logische Konsequenz

1967 eingeführt war die 3er Reihe der Durchbruch für die QUAD-Elektronik, die Röhrensachen hatten nicht die Akzeptanz beim breiten Publikum. Liest man Artikel über die wichtigsten Verstärker der Audiogeschichte – speziell die QUAD 303 ist immer dabei.

Vorverstärker Quad 33, Quad 303 im Test , Bild
Außer dem Triggereingang für Sammelschaltungen, dem XLR-Eingang und der Stereo-Mono-Taste ist auch hier alles bekannt und übersichtlich
Im Laufe ihrer Produktionszeit wurden 120000 Stück der 33er Vorstufe und 93000 der 303 Endstufe gebaut, 1985 verließen die letzten originalen 303 das Werk. Der heutige Besitzer von QUAD, die IAG, hat sich Retro gewissermaßen auf die Fahnen geschrieben. Oder besser gesagt Retrolook mit modernster Technik. Und da war es wirklich nur eine Frage der Zeit, bis die ikonischsten Verstärker überhaupt erneut das Licht der Audiowelt erblicken durften. Verantwortlich dafür sind Entwickler, die seit Jahrzehnten für QUAD arbeiten. Sie hatten die Aufzeichnungen von Peter Walker zur Hand, um so nahe wie möglich an seinen Ideen arbeiten zu können. Zusätzlich bekamen sie durch Social Media, unzählige E-Mails und die Kunden, die zu QUAD kommen und ihre alten 33 / 303 überholen lassen, eine sehr gute Vorstellung davon, was die Neuen leisten müssten. QUAD nennt die Ansammlung von Experten, die sich für das Redesign zusammen gefunden haben, zu Recht ein Dreamteam: Rob Flain & Paul McConville sind die erfahrensten QUAD Serviceingenieure überhaupt: Jan Ertner designed seit 30 Jahren viele der neuen QUAD Geräte: Lautsprecherlegende und QUAD Chefakustiker Peter Comeau kennt jeder und David McNeill ist der QUAD Industriedesigner der letzten 20 Jahre. Hier verderben viele Köche einmal nicht den Brei, weil sich alle der Verantwortung bewusst waren, die diese Klassiker mit sich bringen. Dafür haben sie sich satte drei Jahre Zeit gelassen. 2024 war es dann so weit, es wurden erste Prototypen auf der High-End in München vorgestellt. Ab da war eigentlich schon klar, dass die Neuen ein Erfolg werden würden.   

Neue Technik, klassischer Look – die 33

Die Vorstufe ist mit Platinen vollgepackt, von denen so einige moderne Chips beherbergen. Schaltungstechnisch lässt sich das alles nicht ohne Weiteres verstehen, die Signalverarbeitung soll jedenfalls rein analog erfolgen. Ich weiß, dass die Klangregelung wie überhaupt die gesamte Vorstufe von einem Giga Device Microprozessor überwacht und gesteuert wird – deshalb auch die USB-Buchse auf der Rückseite für Updates. Ein OP 275 OpAmp steuert mit Metallfilmwiderständen zusammen die berühmte TILT-Klangregelung, die sehr clever und sanft arbeitet, ohne das harmonische Gesamtdesign zu stören. Der Trick dabei ist, dass man entweder den Bass anhebt und gleichzeitig die Höhen abschwächt oder umgekehrt. Die Umschalter sind elektrisch, nicht mehr diese irren mechanische Knöpfe, die einem gerne mal um die Ohren flogen. Es gibt gleich fünf stabilisierte Versorgungsspannungen, ein Schaltnetzteil für den Standbybetrieb und einen kräftigen norwegischen Noratel Ringkerntrafo – in der Endstufe werkelt auch ein Modell dieses Herstellers, natürlich mit viel mehr Wicklungen. Die veränderbare Beleuchtung ist sehr angenehm, der Ruhezustand sinnvoll und die Eingänge ebenso: dreimal Hochpegel plus XLR, Phono MM/MC, aber keinen D/A-Wandler, denn die 33 ist auch so schon voll genug. Neben einem Cinch- gibt es auch einen XLR- und einen zusätzlichen AUX-Ausgang. Die Verstärkung ist mit 46 dB bei Phono MM und 63.5 dB bei MC absolut praxisgerecht, mein Koetsu Black spielte am MC-Eingang hervorragend. Hatte ich erwähnt, dass das Alps-Poti fernbedienbar ist? Und dass es auch noch einen sehr guten, neu entwickelten Kopfhörerverstärker an Bord gibt?  

Die 303

Ich habe schon geschrieben, dass die QUAD 303 zum Kanon der wichtigsten Endverstärker der HiFi-Geschichte gehört und das zu Recht. Sie wurde und wird mit einem besonderen Schaltungskniff verbunden, den “symmetrischen Triples”, und davon wollte man auch nicht abweichen. Sie sorgen für eine symmetrische Ausgangsstufe, reduzierte Verzerrungen und eine Stabilität unter jeglichen Bedingungen, für die diese Endstufen berühmt sind. So konnte man die thermischen Probleme früherer Transistor(designs) überwinden. Zudem wurde eine vollständig komplementäre Ausgangsstufe neu entwickelt, die noch linearer, stabiler und zuverlässiger als früher operieren soll, ohnehin Kernkompetenzen der 303. Ansonsten handelt es sich um das gewohnte A/B-Design, hier hat man auf Experimente verzichtet. Neu ist, dass man im Bedarfsfall auf eine zweite 303 zurück greifen kann, was früher nicht wirklich möglich war. Das bedeutet, man kann zwei 303 im Doppelmonobetrieb fahren, was die Leistung deutlich von einzeln 50 Watt an 8 und 70 Watt an 4 Ohm auf satte 140 bzw. 170 Watt erhöht. Damit muss man dann endgültig vor keinem Lautsprecher mehr Angst haben. Man kommt aber auch mit einer 303 selten an Grenzen.   

Der Klang
Das erste, was mir auffällt, ist der klar strukturierte Bass und das obwohl ich die Geräte eiskalt aus dem Karton einfach nur hingestellt habe. Und genau das ist es, was ich mir von diesen Komponenten auch erwartet habe: diese Unkompliziertheit als Arbeitstiere, die man aufbaut und sie dann einfach ihren Job machen lassen kann. Obwohl mein klassisches Exemplar der 33er Vorstufe sehr gut aufbereitet ist, hielt ich es für sinnlos, es mit der neuen 33 zu vergleichen. Die neue Vorstufe ist einfach so viel besser, das wäre unfair. Sehr interessant war es, meine ebenfalls top überholte 303 ich gehört habe, auf magische Weise wirkte die Wiedergabe immer richtig. Mein Eintritt in die Welt besonderer Musik waren die Allman Brothers mit ihrem legendären Doppellabum „Live at Fillmore East“. Wenn ich diese Platten auflege, fühle ich mich wieder jung und die QUADS leisten hier einen unschätzbaren Beitrag, denn sie lassen mich die Musik erleben, ohne jemals an Technik denken zu müssen. Das genau will ich haben.  

Gemessenes:
Vorverstärker Quad 33, Quad 303 im Test , Bild

Die Quad-Kombi weiß nicht nur optisch und klanglich zu gefallen, sondern auch technisch. Das Phono teil macht eine sehr ordentliche Figur und liefert einen ausgewogenen Frequenzgang mit geringer Kanalabweichung von etwa 0,4 Dezibel. Seine Domäne sind MM-Abtaster, obwohl die Verstärkung auch für nicht zu leise MCs reichen dürfte. Der Vorverstärker verfügt über eine Hochpegelverstärkung von lediglich eins, was Anbetracht der hoch verstärkenden Endstufe jedoch genau passend ist. Der Fremdspannungsabstand bei 100 Millivolt an Ein-Und Ausgang beträgt sehr gute 86 Dezibel(A), die Kanaltrennung liegt auf mindestens gleichem Niveau. Mit 0,058 Prozent bei einem Kilohertz ist auch das Klirrniveau erfreulich niedrig. Die Endstufe leistet 50 Watt an acht und gut 70 Watt an vier Ohm, in der Praxis mehr als genug. Sie ist sehr breitbandig, der Frequenzgang reicht bis über die 200-Kilohertz-Marke. Der Fremdspannungsabstand bei einem Watt beträgt fast 100 Dezibel(A), die Kanaltrennung gute 82,7 Dezibel(A). Mit 0,33 Prozent bei einem Watt zählt sie nicht zu den Klirrärmsten, aber das ist im Rahmen. Die Leerlaufstromaufnahme der Endstufe beträgt sparsame 13,8 Watt, die der Vorstufe 8,6 Watt.


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