Netzvorschaltgerät Efuse FB im Test, Bild
Die ungefähre Lesezeit beträgt 8 Minuten
Einzeltest > Netzvorschaltgerät > 13.02.2025

Zauberkästchen

Bestimmt kennen Sie die Diskussion um „audiophile“ Gerätesicherungen. Da werden mitunter beeindruckende Preise für kleine Glasröhrchen aufgerufen, die den Platz der fast gleich aussehenden entsprechenden Teile im Gerät einnehmen sollen und dann klingt‘s besser.

Netzvorschaltgerät Efuse FB

Ein Experiment
Und wissen Sie was? In vielen Fällen stimmt das sogar. Was daran liegt, dass die klassische 5x20-Millimeter-Glasrohrsicherung beileibe kein so perfektes Bauteil ist, wie wir es alle gerne hätten. Es gibt ein sicherheitstechnisch nicht völlig unkritisches Experiment, bei dem man sich mit minimalem Aufwand davon überzeugen kann, ob beim Thema Netzsicherung klangliche Unterschiede auftreten. Das geht so: Man nehme ein HiFi-Gerät mit eher geringem Stromverbrauch – sagen wir mal eine Phonovorstufe. Die netzseitige Sicherung eines solchen Gerätes dürfte einen Wert in der Gegend von wenigen hundert Milliampère haben. Diese Sicherung ersetzt man spaßeshalber – und nur dann, wenn man ganz genau weiß, was man da tut – durch eine deutlich höher belastbare Variante. Sagen wir mal in der Gegend von 6,3 Ampère. Richtig – die Sicherung büßt in diesem Fall ihr Schutzfunktion fast vollständig ein, deshalb warne ich nochmals ausdrücklich davor. Das Experiment sollte auch nur so lange dauern, wie man für einen kurzen Hörtest braucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die „dicke“ Sicherung klanglich vorteilhaft bemerkbar macht, soviel kann ich versprechen, ist sehr hoch.   

Sicherungen – Freud und Leid
Was passiert da? Sehr einfach: Die Wirkung von Schmelzsicherungen beruht darauf, dass der Draht in der Sicherung einen genau definierten elektrischen Widerstand besitzt. Stromfluss durch einen Widerstand sorgt für einen Spannungsabfall, beides zusammen bedingt eine Verlustleistung, die der Draht in Form von Wärme loswerden muss. Das kann er bis zu einem gewissen Punkt, dann wird‘s ihm zu heiß und er brennt durch. Diesen Punkt möglichst exakt zu definieren ist die Kunst beim Bau von Sicherungen. Als Anwender, insbesondere bei HiFi-Geräten, wollen wir besagten Spannungsabfall aber nicht, jener reduziert nämlich die nach der Sicherung noch verfügbare Spannung – was möglicherweise hörbar ist, zumal diese Form der Störung auch noch nichtlineare Komponenten beinhaltet. Zurück zu unserem kleinen Experiment: Eine „dicke“ Sicherung ist naturgemäß deutlich niederohmiger als eine, die bei geringeren Strömen auslösen soll. Entsprechend ist der Spannungsabfall bei gegebenem Strom hier deutlich kleiner und damit auch der Einfluss auf die Spannung hinter der Siche-rung. Und das kann man hören. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen sind „audiophile“ Sicherungen. Hier wird versucht, ein definiertes Auslöseverhalten mit geringem Spannungsabfall über der Sicherung zu kombinieren. Wie man das macht und ob das klappt soll nicht der Gegenstand dieses Artikels sein, sondern eine noch weit radikalere Alternative: Wie wär‘s, wenn man die Sicherung komplett loswerden könnte, respektive: Sie durch einen garantiert „unverdächtigen“ kompromisslosen Leiter ersetzen könnte? Die Schutzfunktion müsste man dann natürlich anders realisieren.   

Die elektronische Alternative
Genau das ist der Gedanke hinter der „Efuse“. Bei ihr handelt es sich um die elektroni-sche Variante einer Sicherung, die die Nachteile einer Glasrohrsicherung nicht hat und zudem viel präziser das tut, was sie eigentlich soll. Stammleser erinnern sich: Wir hatten vor Jahren die mit Efuse-Technologie ausgestattete Steckdosenleiste „Powerbar“ zu Gast, die das Prinzip eindrucksvoll demonstrierte. Heute, und damit kommen wir (endlich) zum Thema dieser Abhandlung, reden wir über die „Efuse FB“, die auf derselben Technologie beruht, aber noch über zusätzliche Features verfügt.  

Anwendungsfälle
Die Efuse FB kann entweder als Vorschaltgerät für ein einziges Gerät eingesetzt werden oder für die gesamte Anlage.

Netzvorschaltgerät Efuse FB im Test, Bild
Der Hersteller treibt reichlich Aufwand für seine elektronische Sicherung
Wer nur ein Gerät „behandeln“ will, der ist mit einem der weniger ausladenden Efuse-Modelle möglicherweise besser bedient, auch wenn dort ein paar Features fehlen. Interessant wird’s, wenn die ganze Anlage als Last am Gerät hängt. In diesem Falle wird ein Netzverteiler ihrer Wahl an die Steckdose auf der Rückseite der Efuse angeschlossen, an dem in bewährter Manier die Geräte hängen. Zunächst gilt es jedoch, die „bösen“ Sicherungen in den einzelnen Geräten durch entweder einen vergoldeten oder rhodinierten Kupferstift zu ersetzen. Einer davon gehört zum Lieferumfang der Efuse FB, jeder weitere will mit 39 (vergoldet) bzw. 43 Euro (rhodiniert) vergütet werden. Bedenken Sie, dass Sie ausschließlich die eingangsseitige Netzsicherung ersetzen. Für alle anderen ist die Prozedur (noch) nicht geeignet. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welches die richtige Sicherung ist, ziehen Sie bitte einen Fachmann zu Rate! Der Trick besteht darin, dass eine einzige Efuse einen sicheren Schutz für alle angeschlossenen Geräte bietet, auch wenn die individuellen Sicherungswerte in den Geräten recht unterschiedlich sind. Das Abschaltverhalten der Efuse ist um so viel schneller und präziser, dass eine effektive Schutzwirkung in jedem Falle gegeben ist. Die korrekte Abschaltschwelle ist vom Anwender einzustellen, was mit Hilfe eines kleinen Drehschalters auf der Geräterückseite passiert. Dort kann man Werte zwischen einem und sechs Ampère einstellen. Ausgehend von einem mittleren Wert gilt es die Schwelle zu finden, bei dem die Efuse mit allen angeschlossenen Geräten im Betrieb nicht abschaltet – plus eine „Reserveschaltstufe“. Wenn die Efuse ausgelöst hat, kann sie mittels eines kleinen rückseitigen Tasters wieder zurückgestellt werden. Das Gerät verfügt über eine integrierte Einschaltstrombegrenzung und eine Fernbedienung. Man kann also die ganz Anlage über einen einzigen Tastendruck in Betrieb nehmen, die Einschaltstrombegrenzung sorgt auf alle Fälle dafür, dass das „sanft“ passiert. Ein weiteres Feature des Gerätes ist das eingebaute DC-Filter, bei dem eine trickreiche Anordnung von Kondensatoren und Dioden etwaige störende Gleichstrom anteile aus der Netzspannung filtert.

Technisches
Ein Blick ins ziemlich aufwändige Geräteinnere verrät interessante Details über die Funktionsweise. So wird der Laststrom unterbrechungsfrei mit einem sogenannten Hall-Sensor gemessen.
Netzvorschaltgerät Efuse FB im Test, Bild
Der Kaltgeräteanschluss ist der Spannungseingang, die gesicherte und geschaltete Spannung liegt an der Schuko-Dose an
Als Schaltelement für den Laststrom dient ein so genannter „Triac“. Das ist ein altbewährtes Halbleiterelement, dass eigens dem Schalten von Wechselströmen dient, praktisch verlustfrei arbeitet und sehr präzise gesteuert werden kann. Durch sehr schnelles Ein- und Ausschalten dieses Elementes wir auch die Einschaltstrombegrenzung realisiert. Die Elektronik wird mittels eines separaten Netzteils versorgt, zudem finden sich diverse Überspannungsschutzelemente. Das Gleichspannungsfilter wirkt reichlich dimensioniert, der Aufbau entspricht gängigen Sicherheitsstandards.  

Ergebnis
Ein positiver Einfluss der Efuse ist bereits beim Einsatz an einem einzelnen Gerät festzustellen. Als ziemlich dankbar dafür hat sich der Exposure-Vollverstärker 3510 erwiesen. Das klanglich ohnehin schon sehr potente Gerät legt an der Efuse dynamisch nochmals zu, fokussiert nochmals besser und wirkt insgesamt konzentrierter. Auch bei Kleinverbrauchern klappt der Trick: Die wunderbare Unison-Phonovorstufe „Simply Phono“ klingt ohne Primärsicherung noch „röhriger“, sie hat noch mehr Luft, wirkt minimal wärmer und schöner. Ich hätte den Trick gerne bei einem Plattenspieler ausprobiert, mir stand – Steckernetzteil – sei Dank aber gerade keiner zur Verfügung, bei dem sich die Primärsicherung hätte entfernen lassen. Auch so steht außer Frage, dass der positive Aspekt noch deutlicher ausfällt, wenn die gesamte Anlage über die Efuse läuft. Die Charaktere der einzelnen Geräte treten einfach deutlicher hervor, es klingt grundsätzlich ausdrucksstärker. Nicht schlecht für den Austausch von lediglich ein paar Sicherungen!  


Unterm Strich...

Die Efuse FB vereint überzeugend drei Aspekte: merklich gesteigerte Klangqualität der angeschlossenen Anlage, erhöhter Komfort durch die Fernbedienung und verbesserter Geräteschutz durch die präzise Schutzwirkung der elektronischen Sicherung.

KategorieNetzvorschaltgerät
ProduktFB
HerstellerEfuse
Preis2285 Euro
Preis Zusatzmit DC-Filter
Getestet vonHolger Barske
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Holger Barske
Redakteur / Tester

Holger Barske


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